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WASHINGTON, 14. August 2026 – Die jüngsten Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten verschaffen der Federal Reserve vor ihrer nächsten Zinsentscheidung etwas Luft. Sowohl die Verbraucher- als auch die Erzeugerpreise entwickelten sich im Juli günstiger als noch vor wenigen Monaten befürchtet. Gleichzeitig verliert der amerikanische Arbeitsmarkt an Dynamik. Für die Notenbank spricht diese Kombination zunächst dafür, den Leitzins im September unverändert zu lassen. Doch von einer Rückkehr zur Preisstabilität kann keine Rede sein.
Das wirtschaftspolitische Bild wird zusätzlich durch zwei Faktoren kompliziert, die weitgehend außerhalb der unmittelbaren Kontrolle der Fed liegen: die weiterhin aggressive Zollpolitik der Regierung von Präsident Donald Trump und die erhöhten Energiepreise infolge der Konflikte im Nahen Osten. Zugleich setzt sich der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz fort und schafft neue Nachfrage nach Energie, Rechenzentren, Bauleistungen und qualifizierten Arbeitskräften.
Die US-Wirtschaft befindet sich damit in einer ungewöhnlichen Konstellation. Die Inflation geht zurück, liegt aber weiter oberhalb des Zielwerts der Federal Reserve. Der Arbeitsmarkt schwächt sich ab, ohne bislang in einen ausgeprägten Abschwung zu geraten. Gleichzeitig notiert der Aktienmarkt auf Rekordniveau. Und während die Fed versucht, ihre Geldpolitik an diesen widersprüchlichen Signalen auszurichten, setzt das Weiße Haus seine handelspolitische Neuordnung fort.
Die wichtigste Entlastung kam in dieser Woche vom Bureau of Labor Statistics. Der Verbraucherpreisindex stieg im Juli gegenüber dem Vormonat lediglich um 0,1 Prozent. Im Juni waren die Preise noch um 0,4 Prozent gefallen. Gegenüber dem Vorjahresmonat betrug die Inflationsrate im Juli 3,4 Prozent.
Damit bleibt die Teuerung zwar deutlich oberhalb der Marke, die mit dem Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve vereinbar wäre. Die Entwicklung war jedoch moderater als noch im Frühjahr, als Energie- und Handelsschocks die Sorge vor einer neuen Inflationswelle verstärkt hatten.
Besonders wichtig war die Entwicklung der Benzinpreise. Sie gingen im Juli um 2,9 Prozent zurück, nachdem sie bereits im Juni um 9,7 Prozent gefallen waren. Lebensmittel verteuerten sich lediglich um 0,1 Prozent. Die Preise für Lebensmittel im Einzelhandel gingen sogar leicht zurück. Die Wohnkosten stiegen um 0,1 Prozent und waren nach Angaben des Bureau of Labor Statistics für rund zwei Drittel des gesamten monatlichen Anstiegs des Verbraucherpreisindex verantwortlich.
Auch bei der Kerninflation fiel das Bild vergleichsweise moderat aus. Der Index ohne die volatilen Komponenten Lebensmittel und Energie erhöhte sich gegenüber Juni um 0,2 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 2,5 Prozent.
Für die Federal Reserve ist das ein wichtiges Signal. Noch vor wenigen Wochen bestand die Gefahr, dass steigende Energiepreise und neue Zölle erneut breiter auf Waren und Dienstleistungen durchschlagen könnten. Bislang ist dieser Effekt zumindest in den Verbraucherpreisdaten begrenzt geblieben.
Scott Anderson, Chefökonom für die USA bei BMO Capital Markets, sagte gegenüber Reuters, der Bericht dürfte die Sorgen der Fed vor einer energiegetriebenen Inflationsspirale weiter reduzieren. Zugleich warnte er davor, aus einem einzelnen Monatsbericht weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Notenbank müsse weitere Hinweise darauf erhalten, dass insbesondere die Inflation bei Dienstleistungen nachhaltig zurückgehe.
Einen Tag nach den Verbraucherpreisen folgte eine zweite für die Fed günstige Veröffentlichung. Der Erzeugerpreisindex für die Endnachfrage blieb im Juli gegenüber dem Vormonat unverändert. Im Juni war er nach revidierten Angaben um 0,1 Prozent gefallen. Ökonomen, die von Reuters befragt worden waren, hatten für Juli mit einem Anstieg um 0,2 Prozent gerechnet.
Hinter der Gesamtzahl verbergen sich allerdings erhebliche Unterschiede. Die Preise für Waren gingen um 0,7 Prozent zurück, während Dienstleistungen um 0,2 Prozent teurer wurden. Im Jahresvergleich lagen die Erzeugerpreise noch 4,7 Prozent höher. Im Juni hatte die Rate 5,5 Prozent betragen.
Damit schwächt sich der Preisdruck auf Unternehmensebene ab, bleibt aber hoch. Hinzu kommt ein statistisches Problem: Ein großer Teil der Daten wird früh im jeweiligen Monat erhoben. Der deutliche Anstieg der Ölpreise gegen Ende Juli dürfte deshalb noch nicht vollständig in den Zahlen enthalten sein.
Für die Geldpolitik ist dieser Punkt entscheidend. Eine vorübergehende Entlastung durch niedrigere Energiepreise kann sich schnell umkehren, wenn Rohöl, Transport und andere Vorleistungen wieder teurer werden. Unternehmen müssen dann entscheiden, welchen Teil ihrer höheren Kosten sie über Margen auffangen und welchen Teil sie an ihre Kunden weitergeben.
Gerade hier überschneiden sich Geld- und Handelspolitik. Zölle verteuern bestimmte importierte Vorprodukte unmittelbar. Ob daraus dauerhaft höhere Verbraucherpreise entstehen, hängt unter anderem von Wechselkursen, Lieferketten, Gewinnmargen und der Stärke der Nachfrage ab.
Die Fed muss gleichzeitig auf die andere Seite ihres gesetzlichen Doppelmandats achten: maximale Beschäftigung.
Der Arbeitsmarktbericht für Juli war deutlich schwächer als erwartet. Die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft sank um 23.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,1 Prozent. Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics gingen Arbeitsplätze insbesondere im Bildungsbereich der Kommunalverwaltungen und im Einzelhandel verloren, während das Gesundheitswesen weiter Beschäftigung aufbaute.
Ein einzelner negativer Monatswert bedeutet noch keine Rezession. Dennoch verändert er die geldpolitische Risikobewertung. Eine Zinserhöhung, die bei einem robusten Arbeitsmarkt vor allem der Inflationsbekämpfung dienen würde, könnte bei einer sich abschwächenden Beschäftigung größere konjunkturelle Kosten verursachen.
Die Fed befindet sich deshalb zwischen zwei Risiken. Wartet sie zu lange und erweist sich die Inflation als hartnäckig, könnten sich höhere Preissteigerungsraten in den Erwartungen von Unternehmen und Verbrauchern festsetzen. Strafft sie die Geldpolitik dagegen zu stark, könnte sie einen bereits schwächer werdenden Arbeitsmarkt zusätzlich belasten.
Diese Abwägung dürfte die Sitzung des Federal Open Market Committee am 15. und 16. September bestimmen.
Richmond-Fed-Präsident Tom Barkin brachte das Dilemma am Donnerstag bei einer Rede vor der Handelskammer in Greenville, South Carolina, auf den Punkt. Es sei nicht die Frage, ob die Inflation wieder zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehre. Das FOMC habe deutlich gemacht, dass es dazu entschlossen sei. Offen sei vielmehr, auf welchem Weg dieses Ziel erreicht werde: durch weitere Zinserhöhungen oder durch einen bereits laufenden Rückgang des Inflationsdrucks.
Barkin verwies ausdrücklich auf mehrere außergewöhnliche Faktoren, die zur derzeit erhöhten Inflation beigetragen hätten. Dazu zählen höhere Zölle, Ölpreise sowie die starke Nachfrage nach Material und Arbeitskräften für den Ausbau der Infrastruktur rund um künstliche Intelligenz. Ein erheblicher Teil des aktuellen Inflationsdrucks gehe auf Schocks zurück, die vorübergehen könnten, argumentierte er.
Gleichzeitig warnte Barkin vor der gegenteiligen Möglichkeit: Die Inflation könnte stärker in der Wirtschaft verankert sein als angenommen. Lieferkettenprobleme könnten anhalten, der KI-Investitionsboom länger dauern und die Inflationserwartungen von Unternehmen und Verbrauchern könnten sich nach oben verschieben.
Die Fed hatte ihren Leitzinskorridor im Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Nach den jüngsten Inflations- und Beschäftigungsdaten erwarten Anleger mehrheitlich auch für September keine Änderung. Reuters zufolge rechnen Marktteilnehmer allerdings weiterhin mit der Möglichkeit einer Zinserhöhung im Oktober oder Dezember.
Damit hat sich die Debatte gegenüber früheren Phasen des Zinssenkungszyklus grundlegend verändert. Die entscheidende Frage lautet derzeit nicht, wie schnell die Fed ihre Geldpolitik lockern kann, sondern ob sie nochmals straffen muss, um die Inflation dauerhaft auf zwei Prozent zurückzuführen.
Während die Fed versucht, den Inflationsdruck einzudämmen, setzt die Trump-Regierung ihre Zollpolitik fort. Am Donnerstag kündigte der Präsident neue Abgaben auf importierte Drohnen und Drohnenkomponenten an.
Für bestimmte größere oder sicherheitspolitisch besonders sensible Drohnen soll ein Zoll von 100 Prozent gelten. Auf kleinere Drohnen ist eine Abgabe von 25 Prozent vorgesehen. Für Drohnen und Komponenten aus der Europäischen Union, Japan, Liechtenstein, Südkorea, der Schweiz und Taiwan soll nach Angaben des Weißen Hauses ein Zollsatz von 15 Prozent gelten. Für Importe aus Großbritannien sind zehn Prozent vorgesehen. Die neuen Abgaben sollen grundsätzlich 21 Tage nach Unterzeichnung der Proklamation in Kraft treten. Für bestimmte Komponenten gelten längere Übergangsfristen.
Trump begründet den Schritt mit nationaler Sicherheit und einer zu großen Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischen Produzenten. Handelsminister Howard Lutnick sei nach einer Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass die Importdurchdringung durch ausländische Anbieter erheblich sei und die USA bei Drohnen und deren Komponenten zu stark von ausländischen Quellen abhingen, erklärte der Präsident.
Die Maßnahme zeigt, wie die Regierung Handelspolitik inzwischen mit Industrie- und Sicherheitspolitik verbindet. Zölle dienen nicht mehr nur dazu, Handelsdefizite zu reduzieren oder Verhandlungsdruck gegenüber anderen Staaten aufzubauen. Sie sollen gezielt Produktionskapazitäten innerhalb der Vereinigten Staaten fördern und Abhängigkeiten bei strategischen Technologien reduzieren.
Drohnen sind dafür ein besonders deutliches Beispiel. Die Systeme spielen sowohl in der zivilen Wirtschaft als auch für Streitkräfte und Sicherheitsbehörden eine wachsende Rolle. Gleichzeitig ist die internationale Lieferkette stark fragmentiert.
Ökonomisch bleibt allerdings dieselbe Frage bestehen wie bei anderen Importzöllen: Wer trägt die Kosten? Ein Zoll wird zunächst vom Importeur an den amerikanischen Staat gezahlt. Ob und in welchem Umfang diese Kosten anschließend von ausländischen Herstellern, amerikanischen Importeuren oder den Endkunden getragen werden, hängt von den jeweiligen Marktbedingungen ab.
Für die Fed bedeutet jede neue Zollrunde deshalb ein zusätzliches Inflationsrisiko.
Parallel zur wirtschaftlichen Debatte läuft eine juristische Auseinandersetzung darüber, wie weit der Präsident bei der Handelspolitik ohne Zustimmung des Kongresses gehen darf.
Am Donnerstag erzielte Trump dabei einen Erfolg. Der U.S. Court of International Trade bestätigte seine Befugnis, die sogenannte De-minimis-Ausnahme für bestimmte niedrigpreisige Importe aus China, Mexiko und Kanada vorzeitig aufzuheben. Diese Ausnahme hatte es ermöglicht, Waren mit einem Wert von weniger als 800 Dollar unter bestimmten Voraussetzungen zollfrei in die Vereinigten Staaten einzuführen.
Trump bezeichnete die Entscheidung als „big win“ und nannte die Ausnahme ein großes Schlupfloch für diejenigen, die Zölle umgehen wollten.
Die Entscheidung ist allerdings kein genereller Freibrief für die Zollpolitik des Präsidenten. Der Supreme Court hatte im Februar einen großen Teil der weitreichenden Zölle verworfen, die Trump unter Berufung auf den International Emergency Economic Powers Act verhängt hatte. Nach Auffassung des höchsten Gerichts erlaubt dieses Gesetz dem Präsidenten nicht, eigenständig umfassende neue Zölle gegen Handelspartner einzuführen. Der aktuelle Fall betraf dagegen die Aufhebung eines bestehenden handelsrechtlichen Privilegs.
Die Unterscheidung ist für die weitere Handelspolitik erheblich. Trump hat inzwischen auf andere gesetzliche Grundlagen zurückgegriffen, um Zölle auf einen sehr großen Teil der US-Importe zu erheben. Auch diese Maßnahmen werden juristisch angegriffen.
Für Unternehmen bedeutet das eine zusätzliche Form wirtschaftlicher Unsicherheit. Sie müssen nicht nur kalkulieren, wie hoch ein Zoll ausfällt, sondern auch, ob er Bestand haben wird und welche Rechtsgrundlage die Regierung für mögliche Ersatzmaßnahmen heranzieht.
Zu den wirtschaftspolitischen Unsicherheiten kommt der anhaltende Konflikt zwischen dem Weißen Haus und Teilen der Federal Reserve.
Trump hat seinen Versuch erneuert, Fed-Gouverneurin Lisa Cook aus ihrem Amt zu entfernen. Das Weiße Haus teilte Cook Anfang August mit, der Präsident erwäge ihre Entlassung, und verlangte innerhalb von drei Wochen eine Antwort auf Vorwürfe im Zusammenhang mit Hypothekenunterlagen. Cooks Anwalt bezeichnete die Vorwürfe als unbegründet.
Der Supreme Court hatte einen früheren Versuch Trumps, Cook abzusetzen, im Juni mit fünf zu vier Stimmen zunächst blockiert. Chief Justice John Roberts begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass Cook nicht die gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten erhalten habe, die gegen sie erhobenen Vorwürfe angemessen anzufechten. Das Gericht entschied dabei nicht abschließend über den zugrunde liegenden Sachverhalt.
Der Fall hat Bedeutung weit über Cooks persönliche Position hinaus. Seit Gründung der Federal Reserve im Jahr 1913 hatte zuvor kein Präsident versucht, einen amtierenden Fed-Gouverneur zu entlassen. Die gesetzlichen Schutzbestimmungen für Mitglieder des Board of Governors gehören zu den institutionellen Grundlagen der politischen Unabhängigkeit der amerikanischen Zentralbank.
Trump hatte bereits den früheren Fed-Vorsitzenden Jerome Powell wiederholt wegen dessen Zinspolitik kritisiert. Seit Kevin Warsh im Mai die Führung der Notenbank übernommen hat, richtet sich der politische Druck stärker gegen andere Mitglieder des Boards.
Gerade in einer Phase, in der die Fed zwischen Inflationsbekämpfung und Arbeitsmarktrisiken abwägen muss, ist die institutionelle Frage besonders relevant. Finanzmärkte müssen einschätzen können, ob geldpolitische Entscheidungen aufgrund makroökonomischer Daten oder aufgrund politischer Präferenzen getroffen werden.
An den Aktienmärkten überwiegt bislang der Optimismus.
Der S&P 500 erreichte am Donnerstag ein neues Rekordhoch und schloss 0,65 Prozent höher bei 7.798,99 Punkten. Der Nasdaq Composite legte um 0,81 Prozent auf 26.803,03 Punkte zu, der Dow Jones Industrial Average gewann 0,13 Prozent und schloss bei 53.839,99 Punkten. Seit Jahresbeginn liegt der S&P 500 damit rund 14 Prozent im Plus, der Nasdaq etwa 15 Prozent.
Die jüngsten Inflationsdaten verstärkten die Erwartung, dass die Fed im September nicht an der Zinsschraube drehen muss. Am Donnerstag wurde an den Terminmärkten eine Wahrscheinlichkeit von rund 63 Prozent für unveränderte Zinsen eingepreist.
Zusätzlich wird der Markt weiterhin vom KI-Boom getragen. Große Technologieunternehmen investieren erhebliche Summen in Rechenzentren, Chips und Cloud-Infrastruktur. Gute Unternehmenszahlen haben bislang die Sorge gedämpft, dass diese Investitionen kurzfristig nicht ausreichend Erträge erwirtschaften könnten.
Der Gegensatz zur realwirtschaftlichen Lage ist auffällig. Während die Beschäftigung im Juli leicht zurückging und die Inflation die Kaufkraft vieler Haushalte weiterhin belastet, bewegen sich wichtige Aktienindizes auf historischen Höchstständen.
Das ist nicht zwangsläufig ein Widerspruch. Aktienmärkte bewerten vor allem erwartete zukünftige Unternehmensgewinne und Finanzierungskosten. Eine Kombination aus sinkender Inflation, ausbleibenden Zinserhöhungen und hohen Technologiegewinnen kann deshalb positiv für Aktien sein, selbst wenn andere Teile der Wirtschaft schwächer werden.
Die aktuellen Zahlen reduzieren kurzfristig den Druck auf die Federal Reserve, lösen ihr strategisches Problem aber nicht.
Eine Verbraucherpreisinflation von 3,4 Prozent liegt weiterhin klar über einem Niveau, das die Fed dauerhaft akzeptieren dürfte. Die Produzentenpreise liegen im Jahresvergleich sogar 4,7 Prozent höher. Gleichzeitig schwächt sich der Arbeitsmarkt ab. Hinzu kommen Zoll-, Energie- und Lieferkettenrisiken, deren vollständige Wirkung in den aktuellen Daten möglicherweise noch nicht sichtbar ist.
Bis zur September-Sitzung erhält die Fed noch die Inflations- und Arbeitsmarktdaten für August. Sie werden zeigen, ob der Juli tatsächlich den Beginn einer stabileren Entwicklung markiert oder lediglich eine vorübergehende Entlastung war.
Für die Trump-Regierung entsteht daraus ein wirtschaftspolitischer Zielkonflikt. Das Weiße Haus will mit Zöllen Produktion in die Vereinigten Staaten zurückholen, strategische Lieferketten absichern und außenpolitischen Druck ausüben. Dieselben Maßnahmen können kurzfristig jedoch Importkosten erhöhen und damit die Arbeit der Federal Reserve erschweren.
Die jüngsten Zahlen sprechen bislang nicht für eine neue Inflationsspirale. Sie liefern aber ebenso wenig den Beleg, dass der Preisdruck endgültig überwunden ist. Die amerikanische Geldpolitik bleibt deshalb von Monat zu Monat abhängig von einer ungewöhnlich breiten Palette an Risiken: Arbeitsmarkt, Energiepreise, Zölle, KI-Investitionen und geopolitische Konflikte.
Für September hat die Fed dadurch vor allem eines gewonnen: Zeit. Ob sie diese Zeit nutzen kann, ohne später erneut die Zinsen erhöhen zu müssen, hängt nun wesentlich davon ab, ob die Entspannung bei den Preisen anhält – und ob die handelspolitischen und geopolitischen Schocks begrenzt bleiben.