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Knapp acht Wochen vor den amerikanischen Kongresswahlen beginnt für Donald Trump die entscheidende politische Phase seiner zweiten Amtszeit. Doch ausgerechnet Trumps Dominanz stellt die Republikaner vor ein strategisches Problem: Während seine Anhänger für die Verteidigung der knappen Mehrheiten im Kongress unverzichtbar sind, könnten seine niedrigen Zustimmungswerte, die Sorgen vieler Amerikaner über die Wirtschaft und der Krieg mit Iran moderate Wähler von der Partei entfernen. Bild: Weißes Haus Pressegallerie
WASHINGTON/DALLAS – Knapp acht Wochen vor den amerikanischen Kongresswahlen beginnt für Donald Trump die entscheidende politische Phase seiner zweiten Amtszeit. Bei einer ungewöhnlichen republikanischen Midterm-Convention in Dallas versucht der Präsident, die Partei geschlossen hinter sich zu versammeln und seine Anhänger für den 3. November zu mobilisieren. Doch ausgerechnet Trumps Dominanz stellt die Republikaner vor ein strategisches Problem: Während seine Anhänger für die Verteidigung der knappen Mehrheiten im Kongress unverzichtbar sind, könnten seine niedrigen Zustimmungswerte, die Sorgen vieler Amerikaner über die Wirtschaft und der Krieg mit Iran moderate Wähler von der Partei entfernen.
Die Republikanische Partei setzt auf ein Experiment. Am Mittwoch beginnt in Dallas eine zweitägige nationale Parteiversammlung, wie sie in dieser Form vor Kongresswahlen bislang nicht üblich war. Normalerweise gehören große nationale Parteitage in den Vereinigten Staaten zu Präsidentschaftswahlen. Dort werden Kandidaten nominiert, politische Programme präsentiert und die Partei auf den Wahlkampf um das Weiße Haus eingeschworen. 2026 steht jedoch kein Präsident zur Wahl. Donald Trump will trotzdem den Eindruck vermitteln, als stünde sein Name auf dem Stimmzettel.
Die Veranstaltung in Dallas ist deshalb weniger ein klassischer Parteitag als eine Mischung aus Wahlkampfveranstaltung, politischer Leistungsschau und Mobilisierung der MAGA-Bewegung. Innerhalb republikanischer Kreise hat sie bereits einen Namen erhalten: „Trump-a-Palooza“. Trump soll an beiden Tagen sprechen. Auch Vizepräsident JD Vance, Mitglieder der Trump-Familie, Kandidaten für den Kongress und zahlreiche prominente Vertreter der Republikanischen Partei treten auf. Mehr als 100 Redner sind nach Angaben der Associated Press angekündigt. Für Trump geht es dabei um wesentlich mehr als um eine gewöhnliche Zwischenwahl.
Am 3. November entscheiden die Amerikaner über die Zusammensetzung des gesamten Repräsentantenhauses und über einen Teil des Senats. Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit in einer der beiden Kammern, könnte sich die politische Handlungsfähigkeit des Präsidenten für die zweite Hälfte seiner Amtszeit erheblich verändern. Ein von den Demokraten kontrolliertes Repräsentantenhaus könnte Gesetzesvorhaben blockieren, Untersuchungen gegen die Regierung intensivieren, Regierungsvertreter vor Ausschüsse laden und mit seiner Budgetkompetenz erheblichen Druck auf das Weiße Haus ausüben. Die Midterms sind damit Trumps wichtigste innenpolitische Bewährungsprobe seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus.
Zwischenwahlen sind für die Partei des amtierenden Präsidenten traditionell schwierig. Amerikanische Wähler nutzen die Midterms regelmäßig, um ihre Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Regierung auszudrücken. Präsidenten können deshalb auch dann erhebliche Verluste im Kongress erleiden, wenn sie selbst gar nicht zur Wahl stehen. Trump kennt dieses Problem aus seiner ersten Amtszeit.
Bei den Midterms 2018 verloren die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die Demokraten gewannen damals 41 Sitze hinzu und übernahmen die Kontrolle über die Kammer. Für Trumps Regierung hatte das unmittelbare Konsequenzen: Ausschüsse unter demokratischer Führung erhielten weitreichende Untersuchungsbefugnisse, und der politische Konflikt zwischen dem Weißen Haus und dem Kongress verschärfte sich. 2026 will Trump eine Wiederholung verhindern.
Reuters berichtet, dass der Präsident und die Republikanische Partei mit der Convention in Dallas bewusst versuchen, ein typisches Problem bei Zwischenwahlen zu überwinden: Die Anhänger eines Präsidenten erscheinen häufig in geringerer Zahl an den Wahlurnen, wenn ihr bevorzugter Präsidentschaftskandidat selbst nicht auf dem Stimmzettel steht. Trump versucht deshalb, die Midterms persönlich aufzuladen. Die Botschaft ist klar: Auch wenn sein Name nicht auf dem Wahlzettel steht, sollen seine Anhänger die Wahl so behandeln, als wäre dies der Fall. Genau darin liegt jedoch das politische Risiko der republikanischen Strategie.
Innerhalb der Republikanischen Partei besteht kaum Zweifel daran, dass Trump weiterhin über eine außergewöhnlich loyale politische Basis verfügt. Seine Fähigkeit, Wähler zu Kundgebungen zu bringen, Spenden zu mobilisieren und republikanische Vorwahlen zu beeinflussen, hat die Partei grundlegend verändert. Doch eine Kongresswahl wird nicht ausschließlich von der MAGA-Basis entschieden.
Besonders in politisch umkämpften Vororten und Wahlkreisen benötigen republikanische Kandidaten auch unabhängige Wähler und moderate Konservative. Genau dort kann die enge Verbindung mit Trump zum Problem werden. Reuters zufolge nehmen mehrere republikanische Kandidaten aus besonders umkämpften Rennen nicht an der Veranstaltung in Dallas teil.
Offiziell werden dafür teilweise Terminkonflikte oder Wahlkampfverpflichtungen in den eigenen Wahlkreisen genannt. Politisch ist die Abwesenheit dennoch bemerkenswert. Die republikanische Strategie steht damit vor einem klassischen Dilemma: Ohne Trump könnte ein Teil der konservativen Basis zu Hause bleiben. Mit zu viel Trump könnten Wechselwähler abgeschreckt werden. Hinzu kommen die Zustimmungswerte des Präsidenten.
Eine von Reuters zitierte Reuters/Ipsos-Erhebung sah Trumps Zustimmung zuletzt bei lediglich 33 Prozent. Für republikanische Kandidaten in engen Wahlkreisen ist eine solche Zahl problematisch. Sie müssen gleichzeitig von der Energie der Trump-Bewegung profitieren und vermeiden, vollständig für die Unzufriedenheit mit dem Präsidenten verantwortlich gemacht zu werden.
Die Demokraten versuchen genau diese Verbindung herzustellen. Ihr Ziel besteht darin, die Wahl nicht als Sammlung einzelner lokaler Kongressrennen erscheinen zu lassen, sondern als nationale Abstimmung über Trumps zweite Amtszeit.
Im Mittelpunkt steht dabei die wirtschaftliche Lage. Für viele Amerikaner sind politische Debatten über Washington weniger entscheidend als die Frage, wie viel sie für Lebensmittel, Wohnen, Energie, Versicherungen und andere alltägliche Ausgaben bezahlen. Die Republikaner wollen in Dallas dagegen Trumps wirtschaftspolitische Bilanz herausstellen. Dazu gehören Steuersenkungen, Investitionen in den Vereinigten Staaten, niedrigere Arzneimittelpreise sowie die Handels- und Zollpolitik der Regierung.

Trump argumentiert regelmäßig, seine Politik bringe Produktion und Arbeitsplätze zurück in die Vereinigten Staaten. Doch die wirtschaftliche Wahrnehmung vieler Wähler ist komplizierter. Hohe Lebenshaltungskosten bleiben ein politischer Belastungsfaktor. Gleichzeitig hat Trump einen weitreichenden Handelskonflikt mit mehreren Partnern der Vereinigten Staaten begonnen. Die jüngste Eskalation mit Kanada zeigt, wie eng Außenhandel und Innenpolitik inzwischen miteinander verbunden sind.
Zölle sollen aus Sicht der Regierung amerikanische Produzenten schützen. Kritiker warnen dagegen, dass höhere Importkosten zumindest teilweise bei amerikanischen Unternehmen und Verbrauchern landen können. Für die Midterms ist deshalb weniger entscheidend, welche makroökonomische Kennzahl Washington präsentiert. Entscheidend ist, ob amerikanische Haushalte im Herbst das Gefühl haben, wirtschaftlich besser oder schlechter dazustehen. In Wahlkämpfen ist Wahrnehmung häufig ebenso wichtig wie Statistik.
Ein zweites Thema belastet die Republikaner: der Krieg mit Iran. Die militärische Eskalation hat nicht nur außenpolitische, sondern zunehmend innenpolitische Folgen. Die Ölpreise sind infolge der jüngsten Auseinandersetzungen auf mehr als 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Damit entsteht für Trump ein gefährlicher Zusammenhang zwischen Außenpolitik und Lebenshaltungskosten.
Steigende Energiepreise können sich auf Benzin, Transportkosten, Flugpreise und letztlich auf zahlreiche Waren des täglichen Lebens auswirken. Eine außenpolitische Krise kann damit innerhalb weniger Wochen zu einem wirtschaftspolitischen Wahlkampfthema werden. Besonders auffällig ist deshalb, was auf dem Programm der republikanischen Convention kaum vorkommt.
Die Associated Press berichtet, dass zahlreiche innenpolitische Themen wie Steuern, Grenzsicherheit und ein mögliches Verbot von Aktiengeschäften für Kongressmitglieder behandelt werden sollen. Der unpopuläre Krieg mit Iran steht dagegen nicht im Mittelpunkt des Programms. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Trump seine politische Bewegung über Jahre unter dem Leitmotiv „America First“ aufgebaut hat.
Ein wesentlicher Bestandteil dieser Botschaft war die Kritik an langwierigen amerikanischen Militäreinsätzen im Ausland. Innerhalb der MAGA-Bewegung existiert deshalb eine politische Spannung zwischen klassischen sicherheitspolitischen Republikanern und jenen Anhängern, die Trumps Bewegung gerade wegen ihrer Skepsis gegenüber ausländischen Interventionen unterstützen.
Je länger der Konflikt dauert und je höher die wirtschaftlichen oder menschlichen Kosten werden, desto schwieriger könnte es für das Weiße Haus werden, diese unterschiedlichen Gruppen zusammenzuhalten.
Für Trump ist die Verteidigung des Repräsentantenhauses besonders wichtig. Alle 435 Sitze werden am 3. November neu gewählt. Die Mehrheitsverhältnisse sind knapp, weshalb bereits relativ kleine Verschiebungen die Kontrolle über die Kammer verändern können. Entscheidend werden nicht die tief republikanischen oder tief demokratischen Wahlkreise sein. Der Kampf konzentriert sich auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Distrikten, in denen beide Parteien realistische Chancen haben.
Dazu gehören Vorstadtregionen, Bezirke mit vielen unabhängigen Wählern und Gebiete, in denen sich die politische Zusammensetzung der Bevölkerung verändert. Für die Demokraten besteht darin eine Chance. Sie müssen keine landesweite politische Revolution auslösen. Bereits Gewinne in wenigen umkämpften Wahlkreisen könnten ausreichen, um die Machtverhältnisse in Washington zu verändern.
Für Trump wäre der Verlust des Repräsentantenhauses weit mehr als eine symbolische Niederlage. Demokratische Ausschussvorsitzende könnten Untersuchungen gegen seine Regierung einleiten, Dokumente anfordern und Regierungsmitarbeiter zu Anhörungen vorladen. Auch die politische Kontrolle über Haushaltsfragen würde schwieriger. Eine demokratische Mehrheit könnte Trumps Agenda zwar nicht vollständig stoppen. Sie könnte ihre Umsetzung jedoch erheblich erschweren.
Parallel dazu kämpfen beide Parteien um die Kontrolle des Senats. Dort sind die politischen Konsequenzen besonders weitreichend, weil der Senat über die Bestätigung wichtiger Regierungsmitglieder und Bundesrichter entscheidet. Eine oppositionelle Mehrheit könnte deshalb die Personalpolitik des Präsidenten erheblich erschweren. Besondere Aufmerksamkeit gilt einer begrenzten Zahl von Rennen, die über die Mehrheit entscheiden könnten.
Reuters identifiziert neun Senatswahlen als besonders relevant für die Frage, welche Partei künftig die Kammer kontrolliert. Auch Texas ist dabei zu einem ungewöhnlich wichtigen politischen Schauplatz geworden. Die Convention findet nicht zufällig in Dallas statt.
Texas gilt zwar seit Jahrzehnten als republikanische Hochburg bei Präsidentschaftswahlen. Doch demografische Veränderungen in den großen Ballungsräumen und politische Verschiebungen in den Vororten haben den Staat wettbewerbsfähiger gemacht. Der dortige Senatswahlkampf erhält deshalb nationale Aufmerksamkeit.
Trumps politisches Netzwerk greift bereits mit erheblichen finanziellen Mitteln ein. Nach Angaben der Associated Press verfügt MAGA Inc. über eine Kriegskasse von rund 400 Millionen Dollar. Zehn Millionen Dollar davon wurden für das Senatsrennen in Texas vorgesehen. Das zeigt, wie ernst die Republikaner die Lage nehmen.
Auch die Dimension der Convention selbst macht deutlich, welchen Stellenwert Trump der Wahl beimisst. Reuters beziffert die Kosten der zweitägigen Veranstaltung auf mehr als 40 Millionen Dollar. Für eine Wahl, bei der kein Präsident nominiert wird, ist das außergewöhnlich. Die Veranstaltung soll Bilder produzieren, die normalerweise aus Präsidentschaftswahlkämpfen bekannt sind: große Hallen, prominente Redner, patriotische Inszenierungen und ein Präsident, der sich als Mittelpunkt seiner politischen Bewegung präsentiert. Trump soll an beiden Abenden die Hauptrolle spielen.
Der erste Tag steht im Zeichen seiner Rede. Am Donnerstag soll zunächst Vizepräsident JD Vance auftreten, bevor Trump die Convention erneut abschließt. Damit demonstriert die Partei einerseits Geschlossenheit. Andererseits zeigt die Veranstaltung, wie stark die Republikanische Partei inzwischen von einer einzigen politischen Persönlichkeit abhängig ist. Trump dominiert die Partei seit mehr als einem Jahrzehnt. Viele ihrer Kandidaten, Positionen und Wahlkampfstrategien sind direkt oder indirekt auf ihn ausgerichtet. Doch Trump kann 2028 aufgrund der verfassungsrechtlichen Begrenzung auf zwei Amtszeiten nicht erneut zum Präsidenten gewählt werden.
Damit beginnt bereits jetzt die nächste Debatte.
Während die Kameras in Dallas auf Trump gerichtet sind, diskutieren Republikaner hinter den Kulissen zunehmend über die Zukunft der Bewegung. Reuters berichtet, dass sich Parteifunktionäre, Strategen und Geldgeber bereits mit der Frage beschäftigen, wer Trumps politisches Erbe übernehmen könnte. Der prominenteste Name ist JD Vance.
Der Vizepräsident hat sich innerhalb der MAGA-Bewegung als möglicher Nachfolger positioniert. Er verbindet wirtschaftlichen Populismus, eine harte Haltung in der Einwanderungspolitik und Skepsis gegenüber traditionellen außenpolitischen Positionen der Republikanischen Partei. Daneben wird Außenminister Marco Rubio als möglicher Kandidat für 2028 betrachtet.
Rubio repräsentiert in Teilen eine andere republikanische Tradition. Er besitzt starke außenpolitische Referenzen und war bereits 2016 Präsidentschaftskandidat, bevor Trump die Partei vollständig dominierte. Die Frage lautet deshalb nicht nur, wer Trump nachfolgt. Es geht darum, welche Teile des Trumpismus dauerhaft Bestandteil der Republikanischen Partei bleiben.
Bleibt die harte Zollpolitik? Bleibt die Abkehr vom traditionellen Freihandel? Bleibt die restriktive Einwanderungspolitik? Bleibt die Konfrontation mit den politischen und wirtschaftlichen Institutionen Washingtons? Und kann MAGA ohne Trump dieselbe Zahl von Wählern mobilisieren?
Die Midterms könnten erste Antworten liefern. Sollten die Republikaner trotz Trumps niedriger Zustimmungswerte ihre Mehrheiten verteidigen, würde dies seine Position als dominierende Figur der Partei weiter stärken. Sollten sie dagegen deutlich verlieren, dürfte unmittelbar eine Debatte darüber beginnen, ob die starke Personalisierung auf Trump für die Partei zum strukturellen Problem geworden ist.
Der Präsident selbst zeigt bislang keine Bereitschaft, sich zurückzuhalten. Trump hat angekündigt, sich intensiv in die entscheidenden Kongressrennen einzuschalten. Nach Angaben der Associated Press erklärte er republikanischen Abgeordneten zuletzt, die Partei verfüge über eine erfolgreiche Botschaft und solle offensiv mit seiner politischen Bilanz werben. Trump stellte zudem in Aussicht, persönlich in rund 35 entscheidenden Rennen Wahlkampf zu machen. Das ist eine erhebliche Zahl.
Damit wird der Präsident in den kommenden Wochen in vielen Teilen der Vereinigten Staaten faktisch zum wichtigsten republikanischen Wahlkämpfer. Für Kandidaten in konservativen Staaten kann das ein Vorteil sein. In politisch umkämpften Regionen könnte die Rechnung komplizierter ausfallen. Die republikanischen Kandidaten müssen deshalb von Fall zu Fall entscheiden, wie eng sie sich öffentlich mit Trump zeigen. Genau diese Spannung ist bereits in Dallas sichtbar.
Die Bedeutung der Midterms reicht über Washington hinaus. Auch Investoren beginnen, mögliche Veränderungen der politischen Mehrheiten einzupreisen. Reuters berichtet, dass amerikanische Aktienmärkte trotz geopolitischer Risiken und der bevorstehenden Wahl weiterhin nahe Rekordständen liegen. Gleichzeitig warnen Marktbeobachter davor, dass die ungewöhnlich niedrige Volatilität die tatsächlichen politischen Risiken unterschätzen könnte.
Ein Wechsel der Kongressmehrheit könnte Auswirkungen auf Steuerpolitik, Regulierung, Staatsausgaben und die wirtschaftspolitische Agenda des Weißen Hauses haben. Historisch waren September und Oktober in Midterm-Jahren zudem immer wieder von größeren Schwankungen an den Aktienmärkten geprägt. Die Wahl ist deshalb nicht nur eine Entscheidung über politische Macht. Unternehmen und Investoren müssen gleichzeitig beurteilen, welche Teile von Trumps wirtschaftspolitischer Agenda bei veränderten Mehrheiten im Kongress noch umgesetzt werden könnten.
Offiziell steht Donald Trump am 3. November nicht zur Wahl. Politisch steht sein Name dennoch über fast jedem entscheidenden Rennen. Die Republikaner haben ihre Strategie in Dallas sichtbar gemacht: Sie versuchen nicht, Distanz zum Präsidenten aufzubauen. Sie setzen darauf, seine politische Bewegung noch einmal in maximaler Stärke zu mobilisieren. Das kann funktionieren.
Trump verfügt weiterhin über eine loyale Basis, enorme mediale Aufmerksamkeit und eine politische Organisation, die bereit ist, hunderte Millionen Dollar in die entscheidenden Rennen zu investieren. Doch dieselbe Strategie birgt erhebliche Risiken. Seine niedrigen Zustimmungswerte, die Sorgen über Lebenshaltungskosten, der eskalierende Krieg mit Iran und die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen seiner Handelspolitik geben den Demokraten mehrere Angriffspunkte. Deshalb werden die Midterms 2026 zu mehr als einer gewöhnlichen Kongresswahl. Sie werden zum ersten großen Urteil der amerikanischen Wähler über Trumps zweite Präsidentschaft.
Ein republikanischer Sieg würde Trump zwei weitere Jahre geben, in denen ein von seiner Partei kontrollierter Kongress große Teile seiner politischen Agenda unterstützen könnte. Er würde zugleich die These bestätigen, dass die MAGA-Bewegung auch ohne Trump selbst auf dem Stimmzettel genügend Wähler mobilisieren kann. Eine Niederlage – insbesondere der Verlust des Repräsentantenhauses – würde die Machtverhältnisse in Washington dagegen unmittelbar verändern. Und sie würde eine zweite Frage aufwerfen, die in Dallas noch weitgehend hinter der Inszenierung von Parteieinheit verschwindet: Wie lange kann eine Partei vollständig um Donald Trump organisiert bleiben, wenn sie gleichzeitig beginnen muss, über eine Zukunft ohne ihn nachzudenken? Die Antwort darauf könnte am 3. November beginnen.
Stand: 9. September 2026
Quellenbasis: Reuters, Associated Press und Federal Election Commission (FEC).