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WASHINGTON – Weniger als zwei Monate vor den amerikanischen Kongresswahlen wächst bei den Demokraten die Hoffnung auf eine Rückkehr an die Macht. Nur drei zusätzliche Sitze könnten reichen, um das Repräsentantenhaus zurückzuerobern und Präsident Donald Trump einen entscheidenden Teil seiner politischen Kontrolle in Washington zu nehmen. Die Partei setzt vor allem auf die Unzufriedenheit mit hohen Lebenshaltungskosten, Trumps Zollpolitik und dem Krieg mit Iran. Doch der Weg zur Mehrheit bleibt riskant: Republikaner verfügen über finanzielle und strukturelle Vorteile, während die Demokraten zugleich ihre eigenen Konflikte zwischen moderaten und progressiven Kräften kontrollieren müssen.
Während Donald Trump in Dallas versucht, die Republikanische Partei für die letzten Wochen vor den Midterms zu mobilisieren, bereiten sich die Demokraten auf eine Wahl vor, die die zweite Hälfte seiner Präsidentschaft grundlegend verändern könnte. Am 3. November werden sämtliche 435 Sitze im Repräsentantenhaus neu vergeben. Auch ein Drittel des Senats steht zur Wahl. Die Ausgangslage im House ist so knapp, dass schon eine kleine Verschiebung ausreichen könnte.
Nach einer aktuellen Analyse von Reuters müssen die Demokraten netto lediglich drei zusätzliche Sitze gewinnen, um die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zu übernehmen. Das klingt nach einer überschaubaren Aufgabe. Tatsächlich dürfte sich der Kampf um die Mehrheit jedoch auf wenige Dutzend Wahlkreise konzentrieren. Reuters stuft nur ungefähr 50 der insgesamt 435 House-Rennen als wirklich umkämpft ein.
Damit könnte die politische Zukunft Washingtons von einer relativ kleinen Zahl von Wählern in Vororten von Phoenix, Los Angeles, Denver, Detroit, Philadelphia oder New York entschieden werden. Für die Demokraten eröffnet sich eine Chance, mit der vor einem Jahr nicht alle Strategen der Partei gerechnet hatten. Donald Trump selbst steht zwar nicht auf dem Stimmzettel. Seine Präsidentschaft steht politisch jedoch im Zentrum dieser Wahl.
Zwischenwahlen sind in den Vereinigten Staaten traditionell schwierig für die Partei des amtierenden Präsidenten. Die Midterms werden häufig zu einer Art Zwischenzeugnis für das Weiße Haus. Unzufriedene Wähler können die Regierung bestrafen, ohne gleichzeitig über einen neuen Präsidenten entscheiden zu müssen. Für Trump ist diese historische Regel besonders gefährlich.
Reuters sieht inzwischen mehrere Warnsignale für die Republikaner: die niedrigen Zustimmungswerte des Präsidenten, wirtschaftliche Sorgen, der Krieg mit Iran und eine höhere Wahlmotivation auf demokratischer Seite.
Die Demokraten versuchen deshalb, aus Hunderten lokalen Kongressrennen eine nationale Abstimmung über die zweite Trump-Regierung zu machen. Ihre zentrale Botschaft lautet nicht: Wählt uns, weil Washington mehr demokratische Politik braucht. Sie lautet vielmehr: Wenn ihr Trump kontrollieren wollt, gebt den Demokraten das Repräsentantenhaus. Das ist strategisch wichtig.
Die Partei muss dafür keine Mehrheit der amerikanischen Wähler von einer umfassenden progressiven Agenda überzeugen. Sie benötigt genügend Wähler in einer relativ kleinen Zahl umkämpfter Distrikte, die mit der Richtung der Regierung unzufrieden sind. Besonders wichtig ist dabei ein Begriff, der den demokratischen Wahlkampf zunehmend bestimmt: Affordability – Bezahlbarkeit.
Die Demokraten versuchen, die Wahl auf die wirtschaftliche Situation amerikanischer Haushalte zu konzentrieren. Lebensmittelpreise, Mieten, Hypotheken, Gesundheitskosten, Energie und Versicherungen sollen im Mittelpunkt stehen. Das ist kein Zufall.
Wirtschaftliche Unzufriedenheit gehört zu den größten politischen Risiken für die Partei des Präsidenten. Trump wiederum hatte seinen Wahlsieg mit dem Versprechen verbunden, die wirtschaftliche Situation amerikanischer Familien zu verbessern. Die Demokraten versuchen nun, genau an diesem Versprechen anzusetzen. Sie argumentieren, dass viele Familien trotz positiver wirtschaftlicher Kennzahlen weiterhin unter hohen Preisen leiden und Trumps Zollpolitik zusätzliche Kosten verursachen könne. Der Zeitpunkt könnte für sie günstig sein.
Der Handelskonflikt mit Kanada ist gerade erneut eskaliert. Washington verhängt nicht nur hohe Zölle, sondern geht inzwischen bei bestimmten kanadischen Produkten bis zu Importverboten. Trump argumentiert, solche Maßnahmen schützten amerikanische Arbeitnehmer und Unternehmen. Die Demokraten versuchen dagegen, die Zölle als versteckte Belastung amerikanischer Verbraucher darzustellen.
Für die Midterms ist dabei weniger entscheidend, welche Partei die überzeugendere volkswirtschaftliche Theorie präsentiert. Entscheidend ist die Wahrnehmung der Wähler. Wenn Amerikaner im Supermarkt, an der Tankstelle, beim Abschluss einer Versicherung oder bei ihrer monatlichen Kreditkartenabrechnung das Gefühl haben, dass ihr Einkommen nicht mit den Kosten Schritt hält, besitzt die Opposition ein wirkungsvolles Wahlkampfthema.
Im Zentrum der demokratischen Strategie steht Hakeem Jeffries. Der Minderheitsführer im Repräsentantenhaus könnte nach einem demokratischen Wahlsieg der nächste Speaker of the House werden. Jeffries bereitet seine Fraktion bereits darauf vor, was eine demokratische Mehrheit ab Januar konkret tun würde.
Nach Recherchen der Associated Press arbeitet die Partei an einer umfangreichen Agenda, die wirtschaftliche Maßnahmen mit einer stärkeren Kontrolle der Trump-Regierung verbinden soll.
Zu den Prioritäten gehören die Rücknahme republikanischer Medicaid-Kürzungen, eine Stärkung des Affordable Care Act, Maßnahmen gegen Trumps Zollpolitik und Schritte zur Beendigung des Iran-Krieges. Daneben sollen demokratisch geführte Ausschüsse die parlamentarische Kontrolle des Weißen Hauses deutlich ausweiten. Genau darin liegt für Trump die eigentliche Gefahr eines Machtwechsels.
Ein demokratisches House könnte viele politische Vorhaben des Präsidenten blockieren. Es könnte Regierungsvertreter zu Anhörungen laden, Dokumente anfordern und Untersuchungen gegen die Administration einleiten. Auch bei Haushaltsfragen würde das Weiße Haus künftig mit einer oppositionellen Kammer verhandeln müssen. Jeffries versucht deshalb, den Wählern gleichzeitig zwei Argumente zu verkaufen: Die Demokraten wollen ihre eigene politische Agenda umsetzen – und sie wollen Trump kontrollieren. Doch bevor Jeffries diese Macht ausüben könnte, muss er ein altes Problem seiner Partei lösen.
Die Demokratische Partei umfasst politische Strömungen, die in zentralen Fragen weit auseinanderliegen. Auf der einen Seite stehen progressive Abgeordnete aus sicheren demokratischen Wahlkreisen, die weitreichende Veränderungen in der Sozial-, Klima- und Wirtschaftspolitik fordern.
Auf der anderen Seite stehen moderate Demokraten, die in konservativen oder politisch gemischten Regionen gewählt werden und sich bewusst von Teilen der nationalen Parteiführung distanzieren. Dieser Konflikt ist nicht theoretisch.
Die Associated Press verweist auf eine Abstimmung, bei der die demokratischen Abgeordneten Jared Golden aus Maine und Marie Gluesenkamp Perez aus Washington gegen ihre eigene Fraktion stimmten. Bei einer großen Mehrheit wäre das kaum mehr als eine innerparteiliche Meinungsverschiedenheit. Bei einer Mehrheit von vielleicht nur zwei, drei oder vier Sitzen könnte eine Handvoll Abweichler dagegen darüber entscheiden, ob Jeffries überhaupt Gesetze verabschieden kann.
Die Demokraten könnten damit genau das Problem erben, unter dem die Republikaner in den vergangenen Jahren wiederholt gelitten haben: Eine extrem knappe Mehrheit verleiht einzelnen Abgeordneten außergewöhnlich viel Macht. Jeffries muss deshalb gleichzeitig zwei Wahlkämpfe führen. Er muss progressive Wähler mobilisieren, die eine deutliche Abkehr von Trumps Politik verlangen.
Und er muss moderate Kandidaten schützen, die nur gewinnen können, wenn sie auch Republikaner und Unabhängige überzeugen.
Dass die Partei zunehmend optimistisch wird, zeigt sich daran, wo sie inzwischen Geld und Personal investiert. Die Demokraten konzentrieren sich nicht mehr ausschließlich auf klassische Swing Districts. Sie greifen inzwischen auch republikanische Wahlkreise an, die zu Beginn des Wahljahres kaum jemand zu den entscheidenden Rennen gezählt hätte.
Die Associated Press hat fünf dieser sogenannten „reach races“ untersucht. Sie liegen in Nebraska, Kentucky, Nevada, South Carolina und Texas. In Nebraska versucht der Demokrat Chris Backemeyer, den republikanischen Abgeordneten Mike Flood zu schlagen.
In Kentucky kämpft Zach Dembo um einen bislang republikanischen Sitz. In Nevada tritt Teresa Benitez-Thompson gegen den von Trump unterstützten David Flippo an. Auch in South Carolina und Texas investieren die Demokraten in Rennen, die unter normalen politischen Bedingungen für sie schwierig wären. Solche Wahlkreise sind für Wahlstrategen besonders interessant.
Die Demokraten müssen sie nicht zwingend gewinnen, um die Mehrheit im House zu übernehmen. Sollten sie dort am Wahlabend jedoch überraschend stark abschneiden, wäre dies ein Signal für eine größere nationale Verschiebung. Die entscheidenden Rennen liegen nach Reuters-Analysen unter anderem in Arizona, Kalifornien, Colorado, Florida, Iowa, Michigan, New Jersey, New York, Ohio, Pennsylvania, Texas, Virginia und Wisconsin.
Jeder dieser Staaten besitzt eine eigene politische Dynamik. Doch die nationale Frage bleibt dieselbe: Wie stark belastet Trump republikanische Kandidaten, deren eigener Name auf dem Wahlzettel steht?
Ein wesentlicher Faktor ist die Neuordnung von Wahlkreisen. Redistricting – das Neuzeichnen der Grenzen von Kongresswahlkreisen – kann darüber entscheiden, ob ein Distrikt republikanisch, demokratisch oder tatsächlich umkämpft ist. Reuters zufolge könnten Veränderungen in Kalifornien den Demokraten Chancen auf bis zu fünf zusätzliche Sitze eröffnen. Das wäre erheblich.
Wenn die Partei tatsächlich nur drei Sitze für die Mehrheit benötigt, könnte theoretisch bereits ein besonders gutes Ergebnis in einem einzigen großen Bundesstaat die Machtverhältnisse im House drehen. Auch Republikaner versuchen allerdings, durch neue Wahlkarten ihre Position zu verbessern. Der Kampf um die Midterms findet deshalb längst nicht mehr ausschließlich auf Wahlkampfveranstaltungen statt. Er wird auch vor Gerichten ausgetragen.
Noch vor einigen Monaten erschien die Lage dort für die Demokraten wesentlich schwieriger. Das hat sich verändert. Die Associated Press beschreibt den Kampf um den Senat inzwischen als offen.
Demokraten benötigen vier zusätzliche Sitze, um die Mehrheit zu übernehmen. Das bleibt eine wesentlich schwierigere Aufgabe als die Rückeroberung des House. Doch Rennen, die ursprünglich als relativ sicher für die Republikaner galten, sind enger geworden. Besonders bemerkenswert sind Texas und Iowa.
Dass Demokraten dort überhaupt ernsthafte Chancen sehen, zeigt, wie stark sich das politische Umfeld verändert hat. Gleichzeitig besitzt die Partei eigene Schwachstellen. In Michigan gab es einen schwierigen Vorwahlkampf, in Maine zog sich ein Kandidat zurück. Der Senatswahlkampf ist damit komplizierter als das Rennen um das House. Für Trump wäre ein Verlust des Senats allerdings möglicherweise noch folgenreicher.
Der Senat bestätigt Richter und hochrangige Regierungsmitglieder. Eine demokratische Mehrheit könnte die Personalpolitik des Weißen Hauses erheblich erschweren und Trumps Möglichkeiten begrenzen, die Bundesgerichte langfristig weiter nach rechts zu verschieben.
Trotz der günstiger werdenden politischen Lage dürfen die Demokraten ein Problem nicht unterschätzen: Geld. Reuters zufolge verfügen republikanische Parteiorganisationen über einen erheblichen finanziellen Vorsprung.
Im Zusammenhang mit einem aktuellen Supreme-Court-Verfahren bezifferte Reuters die verfügbaren Mittel republikanischer Parteikomitees auf rund 279 Millionen Dollar. Auf demokratischer Seite waren es etwa 136 Millionen Dollar bei zusätzlichen Verbindlichkeiten.
In den letzten acht Wochen eines amerikanischen Wahlkampfs kann ein solcher Unterschied entscheidend werden. Fernsehwerbung, digitale Kampagnen, Haustürwahlkampf und Mobilisierung am Wahltag kosten enorme Summen.
Besonders teuer sind die umkämpften Senatsrennen. Die Associated Press erwartet für die Senatswahlkämpfe Ausgaben von insgesamt mehr als 3,4 Milliarden Dollar. Damit wird der Kampf um wenige Sitze zu einer der teuersten politischen Auseinandersetzungen der Welt.
Die Demokraten bereiten sich gleichzeitig auf einen zweiten Konflikt vor: die Durchführung der Wahl selbst. Chuck Schumer und andere demokratische Senatoren haben eine Election Protection Task Force aufgebaut. Im Juli spielten Senatoren gemeinsam mit Wahlexperten mehrere Krisenszenarien durch.
Dazu gehörten mögliche Säuberungen von Wählerverzeichnissen aufgrund von Desinformation, der Einsatz von Nationalgardisten an Wahllokalen und Konflikte nach dem Wahltag. Schumer formulierte die Strategie ungewöhnlich deutlich:
„If every time Trump did one of these things we just froze, he’d win.“
Die Botschaft: Demokraten wollen nicht erst reagieren, wenn am 3. November ein Konflikt entsteht. Sie bereiten sich vorher darauf vor.
Erst am Dienstag wandten sich Schumer und andere führende Demokraten erneut an den Supreme Court. Dabei geht es um eine Regel des Postal Service, die nach Auffassung der Demokraten die Briefwahl einschränken könnte.
Ein überparteilicher Schriftsatz mit Beteiligung von 261 amtierenden und ehemaligen Mitgliedern des Kongresses richtet sich gegen die Regel beziehungsweise unterstützt die gerichtliche Blockade. Der juristische Streit zeigt, wie sehr sich die politische Auseinandersetzung bereits von klassischen Wahlkampfthemen auf die Regeln der Wahl selbst ausgeweitet hat.
Ein weiterer Faktor könnte den Demokraten helfen: der Krieg mit Iran. Die demokratische Führung versucht, Trump sowohl wegen der außenpolitischen Entscheidung als auch wegen der wirtschaftlichen Folgen unter Druck zu setzen. Steigende Energiepreise treffen amerikanische Haushalte unmittelbar.
Damit können die Demokraten den Krieg mit ihrem wichtigsten Wahlkampfthema verbinden: den Lebenshaltungskosten. Jeffries hat ein Ende des Krieges ausdrücklich zu den politischen Prioritäten einer möglichen demokratischen House-Mehrheit gezählt. Schumer wiederum hat im Senat wiederholt versucht, über War-Powers-Resolutionen die militärischen Handlungsmöglichkeiten der Regierung einzuschränken.
Für Trump ist das politisch besonders sensibel. Er hatte „America First“ jahrelang mit dem Versprechen verbunden, die Vereinigten Staaten aus kostspieligen ausländischen Konflikten herauszuhalten. Die Demokraten versuchen nun, einen Teil derjenigen Wähler anzusprechen, die Trumps außenpolitische Skepsis ursprünglich attraktiv fanden. Ob ihnen das gelingt, dürfte auch davon abhängen, wie sich der Konflikt in den kommenden acht Wochen entwickelt.
Während die Demokraten über Preise, Gesundheitsversorgung und Kontrolle der Regierung sprechen wollen, bietet ihnen die republikanische Convention in Dallas ein politisch willkommenes Gegenbild. Mehr als 100 republikanische Redner treten dort auf. Trump steht an beiden Tagen im Mittelpunkt.
Die Demokraten stellen die Veranstaltung als Symbol einer Partei dar, die sich stärker mit dem Präsidenten beschäftigt als mit den wirtschaftlichen Problemen gewöhnlicher Amerikaner. Das ist Wahlkampfrhetorik.
Aber dahinter steht eine reale strategische Frage für die Republikaner. Mehrere Kandidaten aus besonders umkämpften Rennen bleiben der Veranstaltung fern. Reuters zufolge fürchten Republikaner in schwierigen Wahlkreisen, dass die starke Fixierung auf Trump ihnen bei unabhängigen und moderaten Wählern schaden könnte. Die Demokraten wollen genau diesen Widerspruch nutzen. Trump soll überall dort zum Thema gemacht werden, wo ein republikanischer Kandidat eigentlich lieber über lokale Fragen sprechen würde.
Ein demokratischer Sieg hätte auch eine große persönliche Bedeutung für Hakeem Jeffries. Sollten die Demokraten das Repräsentantenhaus übernehmen und ihn zum Speaker wählen, wäre Jeffries der erste schwarze Speaker in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Doch sein politisches Erbe würde nicht durch diesen historischen Moment allein bestimmt.
Die entscheidende Frage wäre, ob er eine möglicherweise extrem knappe und ideologisch breite Mehrheit zusammenhalten kann. Jeffries hat bislang einen deutlich anderen Führungsstil als Trump. Er tritt kontrolliert auf, vermeidet häufig spontane politische Eskalationen und versucht, interne Konflikte innerhalb seiner Fraktion nicht öffentlich auszutragen. Eine House-Mehrheit würde diesen Ansatz einem erheblichen Belastungstest unterziehen.
Progressive Demokraten würden schnelle und weitreichende Maßnahmen gegen die Trump-Agenda verlangen. Moderate Abgeordnete in republikanisch geprägten Distrikten müssten dagegen bereits an ihre Wiederwahl 2028 denken. Ein Wahlsieg wäre deshalb für Jeffries nicht das Ende seiner schwierigsten Aufgabe. Er wäre ihr Beginn.
Die Rechnung für die Demokraten bleibt ungewöhnlich einfach. Drei Sitze. Drei zusätzliche Mandate könnten ausreichen, um das Repräsentantenhaus zu drehen. Hinter dieser kleinen Zahl verbirgt sich jedoch ein Wahlkampf mit enormen Konsequenzen. Eine demokratische Mehrheit könnte Trumps Gesetzgebungsagenda blockieren, Untersuchungen gegen seine Regierung eröffnen und die Haushaltsverhandlungen grundlegend verändern.
Sollte zusätzlich der Senat fallen, wäre der Machtverlust für das Weiße Haus noch größer. Doch die Demokraten sind weit von einem sicheren Sieg entfernt. Die Republikaner verfügen über erhebliche finanzielle Ressourcen, profitieren in mehreren Staaten von günstigen Wahlkreisgrenzen und besitzen mit Trump einen Politiker, der seine Anhänger weiterhin in außergewöhnlichem Maße mobilisieren kann. Auch die Demokraten tragen Risiken mit sich.
Eine Partei, die von Progressiven in New York und Kalifornien bis zu moderaten Abgeordneten in ländlichen und konservativen Regionen reicht, muss eine gemeinsame Botschaft finden, ohne ihre entscheidenden Kandidaten zu gefährden. Deshalb konzentriert sich die Parteiführung zunehmend auf ein Thema, das ideologische Grenzen überbrücken soll: die Kosten des täglichen Lebens. Die Strategie ist nachvollziehbar.
Statt den Wählern eine komplizierte Debatte über die Zukunft der Demokratischen Partei zu präsentieren, will sie eine wesentlich einfachere Frage stellen: Geht es Ihnen nach fast zwei Jahren Trump wirtschaftlich besser? Die Republikaner werden versuchen, die Frage umzudrehen. Sie werden vor einer demokratischen Mehrheit warnen, die Trumps Politik blockieren, seine Grenz- und Einwanderungspolitik zurückdrehen und eine stärker progressive Wirtschaftsagenda verfolgen könnte.
Damit zeichnen sich für den 3. November zwei völlig unterschiedliche Botschaften ab. Trump fordert die Amerikaner auf, ihm einen republikanischen Kongress zu erhalten, damit er seine zweite Amtszeit ohne demokratische Blockade fortsetzen kann. Die Demokraten argumentieren, dass genau diese Blockade notwendig sei. In weniger als zwei Monaten wird sich zeigen, welche Botschaft stärker ist.
Donald Trump steht nicht auf dem Stimmzettel. Doch wenn die Wahllokale am 3. November schließen, könnte kaum ein anderer Amerikaner mehr zu verlieren haben.
Stand: 9. September 2026
Quellenbasis: Reuters, Associated Press sowie offizielle Mitteilungen der demokratischen Führung im US-Senat