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Die Linke gewinnt erstmals die Abgeordnetenhauswahl, die CDU verliert das Rote Rathaus, die SPD fällt auf ein historisches Tief und die AfD erzielt ihr bislang stärkstes Berliner Ergebnis. Die Wahl vom 20. September verändert die politischen Kräfteverhältnisse in der Hauptstadt grundlegend. Rotes Rathaus © Olbertz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
Von The Transatlantic Ledger Deutschland
BERLIN, 21. September 2026 – Berlin hat gewählt – und das Ergebnis ist weit mehr als ein gewöhnlicher Regierungswechsel. Die Wahl zum Abgeordnetenhaus zeigt eine Hauptstadt, deren politisches Kräfteverhältnis sich deutlich verschoben hat. Die Linke wird erstmals stärkste Kraft, während die bisher regierenden Parteien CDU und SPD erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Gleichzeitig legt die AfD deutlich zu. Die Grünen verlieren ebenfalls, während FDP und BSW den Einzug ins Abgeordnetenhaus verpassen.
Damit endet die bisherige Regierungsmehrheit von CDU und SPD. Gleichzeitig steht Berlin vor schwierigen Koalitionsverhandlungen, denn eine einfache Zweierkoalition zeichnet sich nicht ab.
Mit rund einem Viertel der Stimmen wird die Linke erstmals stärkste politische Kraft der Hauptstadt. Spitzenkandidatin Elif Eralp kann damit einen historischen Erfolg für ihre Partei verbuchen.
Der Aufstieg ist bemerkenswert: Gegenüber der Wiederholungswahl von 2023 hat die Linke ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt. Noch vor wenigen Jahren schien es kaum vorstellbar, dass sie die CDU in Berlin mit deutlichem Abstand hinter sich lassen könnte. Doch die Partei hat im Wahlkampf offenbar Themen getroffen, die viele Berliner unmittelbar betreffen. Im Zentrum standen vor allem steigende Mieten, Wohnungsmangel, soziale Sicherheit und die Frage, wer sich das Leben in der Hauptstadt künftig noch leisten kann.
Gerade der Wohnungsmarkt ist zu einer der entscheidenden sozialen Fragen Berlins geworden. Die Linke fordert unter anderem eine stärkere Regulierung des Marktes und will die Vergesellschaftung großer privater Wohnungskonzerne weiter vorantreiben.
Der Wahlsieg bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine Mehrheit der Berliner jede einzelne dieser Forderungen unterstützt. Er zeigt vielmehr, dass die Unzufriedenheit mit der bisherigen Wohnungspolitik erheblich ist.
Eine mögliche künftige Regierung unter Führung der Linken wird deshalb daran gemessen werden, ob sie nicht nur Mieten begrenzen, sondern tatsächlich zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum schaffen kann. Berlin braucht beides: bezahlbare Mieten und deutlich mehr Wohnungen.
Für die CDU ist die Wahl ein schwerer Rückschlag. 2023 hatte sie die Wiederholungswahl noch klar gewonnen und anschließend mit Kai Wegner das Rote Rathaus übernommen. Drei Jahre später verliert die Union einen erheblichen Teil ihrer damaligen Wählerschaft und landet nur noch auf dem zweiten Platz.
Das Ergebnis wirft die Frage auf, warum es der CDU nicht gelungen ist, ihren Erfolg von 2023 zu stabilisieren.
Eine Regierungspartei wird in Berlin vor allem an konkreten Ergebnissen gemessen: Wohnungsbau, Verwaltung, Verkehr, Schulen, innere Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung bestimmen den Alltag der Menschen. Politische Ankündigungen reichen nicht aus, wenn Bürger den Eindruck gewinnen, dass sich ihre konkrete Lebenssituation nicht verbessert.
Für die CDU kommt erschwerend hinzu, dass sie am selben Wahlsonntag auch in Mecklenburg-Vorpommern massive Verluste erlitten hat. Damit wird die Diskussion darüber intensiver werden, wie die Union unterschiedliche Wählergruppen in Großstädten, ländlichen Regionen, Ost- und Westdeutschland gleichzeitig erreichen kann.
Zu den auffälligsten Ergebnissen gehört der deutliche Stimmenzuwachs der AfD. Mit mehr als 16 Prozent erzielt sie ihr bislang bestes Resultat bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl.
Das ist politisch relevant, weil Berlin lange als schwieriges Terrain für die AfD galt. Die Hauptstadt ist jung, international und gesellschaftlich heterogen. Dennoch gelingt es der Partei, ihre Unterstützung deutlich auszubauen.
Innerhalb Berlins bleiben allerdings enorme Unterschiede bestehen. Während die AfD insbesondere in Teilen des Ostens der Stadt hohe Ergebnisse erzielt, bleibt sie in einigen innerstädtischen Bezirken wesentlich schwächer.
Das berlinweite Ergebnis zeigt dennoch, dass die Partei inzwischen Wählergruppen erreicht, die über ihre früheren regionalen Hochburgen hinausgehen.
Eine Erklärung allein mit „Protestwählern“ greift deshalb zu kurz. Die AfD verbindet ihre Kritik an den etablierten Parteien mit konkreten politischen Forderungen – insbesondere bei Migration, innerer Sicherheit, Energie-, Europa- und Außenpolitik. Diese Positionen und ihre möglichen Folgen müssen Teil der politischen Auseinandersetzung sein.
Gleichzeitig haben die übrigen im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Die Partei gewinnt damit deutlich an Stimmen, bleibt aber bei der Regierungsbildung politisch isoliert.
Für die Berliner SPD ist das Ergebnis besonders bitter. Mit nur noch rund zwölf Prozent erreicht sie ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus.
Das besitzt eine besondere Symbolkraft. Über Jahrzehnte war die SPD eine der prägenden politischen Kräfte Berlins und stellte zahlreiche Regierende Bürgermeister.
Gerade deshalb ist das Ergebnis bemerkenswert: Soziale Sicherheit und bezahlbares Wohnen gehören traditionell zu den Kernthemen der Sozialdemokratie. Doch ausgerechnet bei einer Wahl, bei der diese Fragen eine große Rolle spielen, profitiert nicht die SPD, sondern vor allem die Linke.
Für die Sozialdemokraten stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Wofür wird die SPD in Berlin noch gebraucht?
Bei sozialen Themen konkurriert sie mit der Linken, bei gesellschaftspolitischen und ökologischen Fragen mit den Grünen und beim Anspruch auf politische Stabilität mit der CDU.
Der politische Raum der SPD ist enger geworden. Ein Austausch einzelner Personen dürfte deshalb kaum ausreichen, um das Problem zu lösen.
Noch dramatischer ist die Situation für die FDP. Sie bleibt weit unter der Fünfprozenthürde und spielt damit im neuen Abgeordnetenhaus keine Rolle.
Das Problem der Liberalen ist inzwischen strukturell. Wirtschaftsliberale Wähler können sich für die CDU entscheiden, gesellschaftsliberale Großstadtwähler finden Alternativen bei Grünen oder SPD. Gleichzeitig haben sich neue Parteien als Protestoptionen etabliert.
Auch die Grünen gehören zu den Verlierern des Abends. In einer Stadt, die über Jahre zu ihren wichtigsten Hochburgen gehörte, büßen sie Stimmen ein.
Politisch bleiben sie dennoch von großer Bedeutung. Gerade bei der Bildung einer neuen Regierung könnten die Grünen eine zentrale Rolle spielen.

Der Wahlsieg der Linken bedeutet noch nicht automatisch, dass Elif Eralp ins Rote Rathaus einzieht. Entscheidend ist die Bildung einer parlamentarischen Mehrheit.
Nach dem vorläufigen Ergebnis benötigt Berlin voraussichtlich ein Bündnis aus drei Parteien. Rechnerisch kommt unter anderem eine Koalition aus Linken, Grünen und SPD infrage. Auch andere Dreierkonstellationen ohne Beteiligung der AfD müssen politisch geprüft werden.
Damit beginnen nun schwierige Gespräche.
Für die Linke ist die Situation neu. Als Wahlsiegerin kann sie einen politischen Führungsanspruch formulieren. Sollte sie tatsächlich die nächste Regierung anführen, verändert sich jedoch ihre Rolle grundlegend.
Opposition kann Probleme benennen und weitreichende Veränderungen fordern. Eine Regierungspartei muss zeigen, wie diese Forderungen finanziert, rechtlich umgesetzt und administrativ bewältigt werden können.
Gerade beim Wohnen wird das entscheidend sein.
Berlin benötigt Hunderttausende zusätzliche Wohnungen. Eine neue Regierung muss deshalb beantworten, wie schneller gebaut, wie Genehmigungsverfahren verkürzt, wie Investitionen ermöglicht und gleichzeitig bezahlbare Mieten gesichert werden können.
Die vielleicht wichtigste Botschaft dieser Wahl liegt deshalb nicht allein im Sieg der Linken.
Sie liegt im gleichzeitigen Erstarken von Linken und AfD und den massiven Verlusten von CDU und SPD.
Beide Gewinnerparteien vertreten in vielen zentralen politischen Fragen völlig unterschiedliche Positionen. Trotzdem profitieren sie von einer ähnlichen Entwicklung: Ein wachsender Teil der Bevölkerung zweifelt daran, dass die traditionellen Regierungsparteien die drängenden Probleme ausreichend lösen.
Bei den Wählern der Linken stehen soziale Sicherheit, hohe Mieten und Lebenshaltungskosten besonders im Mittelpunkt. Die AfD mobilisiert dagegen unter anderem über Migration, Sicherheit und Kritik am politischen System.
Die Antworten sind unterschiedlich – die Herausforderung für die etablierten Parteien ist jedoch dieselbe: verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Das deutsche Parteiensystem wird fragmentierter. Zweierkoalitionen, die über Jahrzehnte Normalität waren, werden schwieriger. Dreierbündnisse werden wahrscheinlicher.
Das hat Folgen.
Je mehr Parteien für eine Regierungsmehrheit benötigt werden, desto größer werden die politischen Kompromisse. Gleichzeitig erwarten die Bürger schnelle Entscheidungen bei Wohnungsbau, Infrastruktur, Migration, Schulen, Verwaltung, Wirtschaft und Sicherheit.
Genau hier liegt die Herausforderung der kommenden Jahre.
Die Berliner haben am 20. September ein deutliches Signal abgegeben: Die bisherige CDU-SPD-Regierung hat ihre Mehrheit verloren. Die SPD erreicht einen historischen Tiefpunkt. Die FDP verschwindet aus dem Abgeordnetenhaus. Die AfD legt erheblich zu. Und erstmals wird die Linke stärkste politische Kraft der Hauptstadt.
Das vorläufige Ergebnis dokumentiert damit eine deutliche Verschiebung der Berliner Parteienlandschaft.
Die nächste Regierung wird deshalb nicht nur eine parlamentarische Mehrheit organisieren müssen. Sie wird zeigen müssen, ob sie die Probleme lösen kann, die diese Wahl geprägt haben.
Denn letztlich entscheidet sich politisches Vertrauen nicht an Wahlkampfparolen, sondern daran, ob Wohnungen gebaut werden, Verwaltungen funktionieren, Schulen leistungsfähig sind, Sicherheit gewährleistet wird und wirtschaftliche Entwicklung möglich bleibt.
Berlin hat gewählt. Jetzt beginnt der schwierigere Teil: aus einem außergewöhnlichen Wahlergebnis eine funktionierende Regierung zu machen.